Manuelle Lymphdrainage und Ödemtherapie

Zur Geschichte der Lymphdrainage

Als Dr. Emil Vodder und seine Frau Estrid in den dreißiger Jahren in Frankreich die manuelle Lymphdrainage entwickelten, sahen und fühlten sie unter ihren Händen bei chronisch katarrhalischen Infekten der oberen Luftwege Stauungen in der Subcutis und den zugehörigen Lymphknoten.

Griffcharakteristik

Dr. Vodder arbeitet mit kreisförmigen oder spiraligen Griffen, mit einem Druckanstieg auf 30 Torr und Abfall auf eine drucklose Phase. Dieser Druckwechsel erzeugt die Pumpwirkung. Die Richtung des Druckanstieges liegt in der Lymphabflußrichtung. Bei diesen Griffen besteht inniger Hautkontakt, so daß die Haut über dem darunterliegenden Gewebe verschoben wird. Das bedeutet, daß meist auf trockener Haut gearbeitet wird. Nur an behaarten Körperteilen wird ein Tropfen Öl verwendet. Ebenso verwendet man etwas Öl, wenn die Haut unverschiebbar ist (auf Narben, am Rand eines Ulcus, bei prallen Ödemen) oder bei sehr trockener oder rauher Haut (z.B. Ekzem).

Die Griffe werden gleichmäßig und rhythmisch durchgeführt. Die Geschwindigkeit der Griffolge ist durch die maximale Frequenz der Lymphmotorik gegeben. Die Griffe dürfen weder Hautrötung noch Schmerzen auslösen.

Vodder beginnt immer mit der Behandlung der Lymphknoten und Lymphgefäße am Hals und der Einmündung der großen Lymphbahnen in den beidseitigen Venenwinkel.

Das Lymphsystem

Das Lymphsystem hilft bei der Aufrechterhaltung des richtigen Flüssigkeitsgleichgewichtes in den Geweben und im Blut, um den Körper vor Krankheiten zu schützen und Bakterien sowie Zellabfallstoffe zu beseitigen.<br>
Es ist ein kompliziertes Filtersystem, das aus winzigen Lymphgefäßen besteht, in denen eine klare bis milchige Flüssigkeit, Lymphe genannt, durch den Körper zirkuliert. Bewirkt wird die Lymphbewegung von der massageähnlichen Aktion der umgebenden Muskeln, da das Lymphsystem zu seinem Antrieb keine Pumpe wie das Herz hat. Die Lymphgefäße tragen überschüssige Flüssigkeit und Bakterien aus den Geweben, die dann von den Lymphknoten oder Drüsen während der Zirkulation ausgefiltert werden. Die Lymphknoten produzieren auch die weißen Blutzellen.

Sie liegen an den Gefäßen wie Perlen auf einer Schnur. Gruppen von Lymphknoten befinden sich im Hals, in den Achselhöhlen, in den Leisten und Knien sowie entlang der Rumpfmitte.<br>
Die Lymphe kommt ursprünglich aus dem Blut. Wenn sie von Unreinheiten befreit ist, wird sie durch zwei Gänge an das Blut zurückgegeben: den rechten Lymphgang, der die rechte obere Körperhälfte drainiert, und den Thoraxgang, der den restlichen Körper drainiert.<br>
Kommt es zu Störungen des Lymphsystemes, z.B. durch Verletzungen oder Operationen, kann es passieren, daß die Lymphe nicht mehr richtig abfliesst. Es kommt zu Stauungen im Gewebe, wodurch dieses anschwillt, ein Lymphödem entsteht.

Es gibt zwei Arten von Lymphödemen:

  • primäres Lymphödem
    • angeborene Fehlentwicklung von Lymphgefäßen.
  • sekundäres Lymphödem
    • erworben nach Unfällen oder Operationen (Krebs)
    • CVI (chronisch venöse Insuffiziens)
    • Lipödem (Entgleisung des Fettstoffwechsels)
    • PMS (Prämenstruelles Syndrom)
    • Immunvaskulitis, Sklerodermie

Um diese Funktionsstörungen des Lymphsystems abzuschwächen oder sogar zu beenden ist bis jetzt nur ein Mittel bekannt:

Die Lymphdrainage

stimuliert und fördert den Lymphfluß und beseitigt Flüssigkeitsansammlungen(Ödeme) im Gewebe. Die manuell ausgeführte, sanft pumpende Drainagetechnik wird als teil- und Ganzkörperbehandlung durchgeführt. Sie wirkt zusätzlich äußerst entspannend und erholsam auf den gesammten Organismus.